Mit den Branchenanhörungen in Zürich und Tolochenaz wurde ein zentraler Meilenstein in der Revision der Grundbildungen Schreiner:in EFZ und Schreinerpraktiker:in EBA erreicht.
Die Revision der Schreiner-Grundbildungen schreitet planmässig voran. Anfang Februar 2026 fanden in der Deutschschweiz und in der Romandie die offiziellen Branchenanhörungen statt. Ziel war es, die überarbeiteten Entwürfe von Bildungsverordnung und Bildungsplan breit in der Branche zu spiegeln und zentrale Fragestellungen gemeinsam zu diskutieren.
Anhörung in Zürich: Klare Rückmeldungen zu Schwerpunkten und Qualifikationsverfahren
Am Samstag, dem 31. Januar 2026, versammelten sich rund 250 Vertreterinnen und Vertreter aus dem Verbandsgebiet des VSSM im Technopark Zürich. Im Zentrum standen die Bildungsverordnungen und die Bildungspläne der beiden Berufe. Dabei wurden insbesondere zwei Themen diskutiert: der geplante Zeitpunkt der Wahl des Ausbildungsschwerpunkts sowie die Neugestaltung des Qualifikationsverfahrens.
Die vorgesehene Wahl einer der drei Schwerpunkte – Planung, Produktion oder Montage – am Ende des zweiten Lehrjahres wurde intensiv diskutiert. Eine Mehrheit der Anwesenden sprach sich dafür aus, den Entscheidungszeitpunkt eher später im Ausbildungsprozess anzusetzen.
Den grössten Diskussionsbedarf löste jedoch das Qualifikationsverfahren aus. Die geplante Ablösung der bisherigen Teilprüfung und der Individuellen Praktischen Arbeit (IPA) durch eine neu konzipierte Praktische Arbeit wirft zentrale Fragen zur Vergleichbarkeit, Praxisnähe und Gewichtung der Kompetenzen auf.
Anhörung in Tolochenaz: Vergleichbare Themen, regionale Nuancen
Am Donnerstag, dem 5. Februar 2026, fand an der École de la construction in Tolochenaz die französischsprachige Branchenanhörung im Verbandsgebiet der FRECEM statt. Rund 90 Fachpersonen aus allen Regionen der Romandie nahmen teil. Die Veranstaltung wurde von den beiden FRECEM-Bildungsverantwortlichen Michaël Martins und Gilles Dumuid geleitet.
Inhaltlich bewegten sich die Diskussionen weitgehend um dieselben Punkte wie zuvor in Zürich. Auch in der Romandie sprach sich eine Mehrheit dafür aus, den Zeitpunkt der Schwerpunktwahl später als am Ende des zweiten Lehrjahres anzusetzen.
Der grösste Diskussionspunkt war – wie bereits in der Deutschschweiz – das Qualifikationsverfahren. Dabei zeigten sich jedoch gewisse kulturelle Unterschiede zwischen den Sprachregionen. Da der schulische Teil in der Romandie traditionell eine leicht stärkere Bedeutung innerhalb der Ausbildung hat, wurde von einzelnen Stimmen eine höhere Gewichtung der Berufskenntnisse gefordert.
In Bezug auf die praktische Arbeit waren die Argumente insgesamt mit denen aus der Deutschschweiz und dem Tessin vergleichbar, die Präferenzen verteilten sich jedoch teilweise unterschiedlich.
Gemeinsame Lösungsfindung als nächster Schritt
Die Rückmeldungen aus beiden Anhörungen werden nun systematisch ausgewertet. Ziel ist es, die Erkenntnisse zusammenzuführen und im Dialog zwischen den beiden Trägerverbänden VSSM und FRECEM eine breit abgestützte Lösung zu erarbeiten.
Die Branchenanhörungen haben deutlich gezeigt: Die Revision stösst auf grosses Interesse und hohe Beteiligung in allen Sprachregionen. Die eingebrachten Perspektiven bilden eine zentrale Grundlage für die Fertigstellung von Bildungsverordnung und Bildungsplan – mit dem Anspruch, eine zukunftsfähige, praxisnahe und gesamtschweizerisch tragfähige Lösung zu finden.
Der weitere Projektverlauf sieht vor, nach der Konsolidierung der Ergebnisse die Eckwerte definitiv festzulegen und anschliessend das Genehmigungsverfahren auf Bundesebene einzuleiten. Die Inkraftsetzung der revidierten Grundbildungen ist für den Sommer 2028 geplant.
